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ÜBER UNS

Die Entstehung des Danziger Shakespeare-Theaters im Jahr 2008 ist eines der wichtigsten Ereignisse der letzten 25 Jahre im freien Polen. Der Sitz des Theaters ist nicht nur das erste dramatische Theater in Polen, welches seit beinahe 40 Jahren vollständig neu gebaut wurde, sondern auch ein Bespiel für außergewöhnliche Zusammenarbeit (man könnte sogar sagen Solidarität) der städtischen Selbstverwaltung und einer Nichtregierungsorganisation. Es ist eine gemeinsame Kultureinrichtung, deren Gründer die Woiwodschaft Pommern, die Stadt Danzig und die Theatrum Gedansense Stiftung (Fundacja Theatrum Gedanense) sind.

Das Gebäude des Danziger Shakespeare-Theaters entstand am Ort der im Jahr 1610 erbauten Fechtschule, in der neben Fechtübungen und Turnieren regelmäßig auch Theaterinszenierungen aufgeführt wurden. Bereits 1646 wurde in der Fechtschule, in der nach dem Ausbau fast 3000 Zuschauer Platz fanden, anlässlich des Besuchs der Königin Luisa Maria Gonzaga die erste Operninszenierung aufgeführt. 1695 inszenierte dort die Truppe der Witwe Velten Joahnn Valentin Meders „Nero“ – die erste Oper, die in Danzig geschrieben wurde. 1741 wurde das hölzerne Gebäude abgerissen und an seiner Stelle wurde das überdachte und beheizbare „Komedienhaus“, welches im Jahr 1774 seine Pforten für Zuschauer öffnete, gebaut. Erst 25 Jahre später entstand in Danzig ein zweites Theater. 1801 wurde das Danziger Stadttheater am Kohlenmarkt, wo sich gegenwärtig das Theater Wybrzeże (Teatr Wybrzeże) befindet, errichtet.

Die Geschichte des Ortes, an dem sich das Danziger Shakespeare-Theater derzeit befindet, ist ein Beweis dafür, dass das Danziger Theater, sowie das gesamte kulturelle Leben dieser reichen und multinationalen Stadt, gerade hier seinen Ursprung hat. Aus Archivalien, ikonographischen und kartographischen Überlieferungen entsteht ein Bild großartiger Theatertradition Danzigs, mit der sich keine andere Stadt der Republik Polen messen kann.

Im Jahr 1991 wurde die Theatrum Gedanense Stiftung gegründet. Ihr Ziel war es, das Elisabethanische Theater in Danzig, dessen Ähnlichkeit mit dem Londoner Fortune-Theater verblüffend war, wiederaufzubauen. Das Danziger Objekt hatte sehr viele Merkmale des Elisabethanischen Theaters. „Elisabethanisch“ war nicht nur die Form und die räumlichen Umstände des Gebäudes, in dem sich die Fechtschule befand,  sondern auch das Repertoire der Engländer. Schauspieler der Londoner Theater inszenierten dort die Stücke Shakespeares und seine Zeitgenossen und präsentierten dabei höchste Schauspielkunst und Inszenierungstechniken, die als „elisabethanisch“ bezeichnet werden. Das Ziel der Stiftung, welches vom Danziger Shakespeare-Theater übernommen wurde, war nicht eine absolut treue Rekonstruktion des historischen Gebäudes aus dem Stich Willers. Es setzte mehr eine „Rekonstruktion“ des Geistes und des Ortes, an dem neben Engländern auch andere Truppen aus verschiedenen Ländern auftraten, voraus.

Die Form des Theatergebäudes bildet ein deutliches Echo der architektonischen Dominante des alten Danzigs, die hauptsächlich gotische Backsteinkirchen ausmachen. Das Theater soll aber eben ein Danziger Shakespeare-Theater sein! Das Danziger Theater war ein einfaches, nicht mal überdachtes Gebäude. Wie kann es also sein, dass der Architekt diese kleine historische Tatsache in seiner Vision nicht in Anspruch genommen hat? Um das zu erklären, sollten wir erst einmal verstehen, dass der Ziegelblock, den wir von außen sehen, noch nicht das „richtige“ Theater ist. Es ist nämlich eine Schatulle, in der das Theater, wie ein Kleinod, versteckt ist. Diese Schatulle hat einen schließbaren Deckel (Dach) und ihre Form bezieht sich nicht auf das Theater aus dem Stich Willers sondern auf die bereits erwähnte Entstehungsgeschichte des europäischen Theaters und die Architektur Danzigs. Auch der Backstein ist eine Anknüpfung daran, seine Farbe ist jedoch ein Symbol der Besonderheit, weil das Theater ja keine Kirche ist. Wir betreten also zuerst die Schatulle und erst danach den hölzernen Innenraum des Theaters.

Im Jahr 2001 bekam die Theatrum Gedanense Stiftung das Grundstückrecht und beauftragte Archäologen, Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet einzuleiten. Die 2004 von Dr. Marcin Gawlicki entdeckten Konstruktionselemente des Theaters wurden zu einem Maßstab der Arbeiten am Projekt des Gebäudes, welches an diesem, nun historischen, Ort erbaut werden sollte. Die Entdeckung hat dem Unternehmen eine neue Bedeutung verliehen: Das entstehende Theater wurde zu einem Element des Kulturerbes der Stadt. Im Jahr 2004 wurde ein internationaler architektonischer Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des damaligen Kultusministers Waldemar Dąbrowski ausgeschrieben. Die gesamte Entscheidungskraft wurde dabei von der Stiftung einem unabhängigem internationalem Jury unter dem Vorsitz von Stanisław Deńko übergeben. Das Ergebnis wurde Ende Januar 2005 bekannt gegeben: mit einer einstimmigen Entscheidung aller Jurymitglieder wurde das Projekt Prof. Renato Rizzis aus Venedig als das originellste ausgezeichnet.

Für Forscher, die sich mit der Geschichte des polnischen Theaters befassen, ist das Danziger Shakespeare-Theater das älteste materielle Relikt eines öffentlichen Theaters, dessen Wert nicht zu überschätzen ist. Das Theater wächst also symbolisch aus den Fundamenten seines Vorgängers heraus und architektonisch bildet es zugleich eine Konstruktion die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts absolut entspricht.